Die ersten Tage mit der neuen Katze: So gelingt die Eingewöhnung
Startzimmer, Verstecke, Geduld und der richtige Abstand: wie du deiner neuen Katze die ersten Tage und Wochen erleichterst und woran du erkennst, dass sie ankommt.
Für dich ist es ein freudiger Tag: Die Katze, auf die du dich wochenlang gefreut hast, zieht endlich ein. Für die Katze ist es einer der aufregendsten Tage ihres Lebens. Sie wird in eine Box gesetzt, in ein Auto getragen, durchgeschaukelt und an einem Ort ausgesetzt, der fremd riecht, fremd klingt und in dem sie niemanden kennt. Katzen sind Revier-Tiere. Ein neues Revier bedeutet für sie zunächst vor allem Unsicherheit.
Wie lange es dauert, bis sich eine Katze zu Hause fühlt, ist sehr unterschiedlich. Manche schnurren nach einer Stunde auf dem Sofa, andere bleiben eine Woche unter dem Bett. Beides ist normal. Dieser Ratgeber zeigt, wie du die Eingewöhnung begleiten kannst, ohne die Katze zu überfordern.
Das Wichtigste in Kürze
- Beginne mit einem ruhigen Startzimmer, in dem alles bereitsteht, was die Katze braucht.
- Lass die Katze kommen. Hol sie nicht aus ihrem Versteck.
- Behalte Futter, Streu und Tagesablauf aus dem bisherigen Zuhause zunächst bei.
- Frisst die Katze länger als einen Tag gar nichts, ruf die Tierarztpraxis an.
- Freigänger bleiben mindestens vier bis sechs Wochen drinnen, bevor sie zum ersten Mal hinausdürfen.
Vorbereitung: das Startzimmer
Statt die Katze gleich in die ganze Wohnung zu lassen, richte einen Raum als Startzimmer ein. Gut geeignet ist ein ruhiges Zimmer, in dem nicht ständig Menschen ein- und ausgehen, etwa ein Schlafzimmer oder Arbeitszimmer. In diesem Raum sollte alles bereitstehen:
- eine Katzentoilette mit der gewohnten Streu, möglichst weit vom Futter entfernt
- Futter- und Wassernapf
- mindestens ein Versteck, zum Beispiel ein Karton mit Öffnung oder eine Höhle
- ein erhöhter Platz, von dem aus die Katze den Raum überblicken kann
- eine Kratzmöglichkeit
- eine Decke oder ein Kissen aus dem bisherigen Zuhause, falls vorhanden
Der Vorteil eines Startzimmers: Die Katze kann ein kleines, überschaubares Revier erobern, bevor sie den Rest der Wohnung kennenlernt. Sie findet ihre Toilette sicher, und du kannst besser beobachten, ob sie frisst, trinkt und ihr Geschäft verrichtet.
Der Ankunftstag
Stell die Transportbox im Startzimmer auf den Boden, öffne die Tür und setz dich ein Stück entfernt hin. Hol die Katze nicht heraus. Manche Katzen verlassen die Box sofort und erkunden neugierig den Raum, andere bleiben stundenlang darin sitzen. Beides ist in Ordnung. Die Box riecht nach der Reise, aber auch nach ihr selbst, und ist im Moment vielleicht der sicherste Ort.
Halte die erste Zeit ruhig. Besuch von Freunden, laute Musik und neugierige Kinder, die die Katze unbedingt streicheln möchten, sollten warten. Erkläre Kindern vorher, dass die Katze erst einmal Ruhe braucht und dass sie von selbst kommen wird, wenn sie bereit ist.
Wenn die Katze sich versteckt, lass sie. Ein Versteck ist kein Zeichen, dass etwas schiefläuft, sondern eine gesunde Strategie, um mit einer fremden Situation umzugehen. Eine Katze, die sich sicher fühlt, kommt freiwillig wieder heraus.
Vertrauen aufbauen: Nähe ohne Druck
Katzen mögen es, wenn sie selbst entscheiden, wann und wie viel Kontakt sie haben. Das Wichtigste in den ersten Tagen ist deshalb, Gelegenheiten für Kontakt zu schaffen, ohne ihn zu erzwingen.
Präsenz zeigen: Verbring Zeit im Startzimmer, ohne dich der Katze aufzudrängen. Lies ein Buch, arbeite am Laptop oder setz dich einfach auf den Boden. Sprich ab und zu leise mit ihr. So gewöhnt sie sich an deine Stimme und deinen Geruch.
Auf Augenhöhe gehen: Ein Mensch, der sich über eine Katze beugt, wirkt bedrohlich. Setz oder leg dich lieber auf den Boden.
Langsam blinzeln: Unter Katzen ist ein langsames Schließen und Öffnen der Augen ein Zeichen von Vertrauen und Entspannung. Wenn du die Katze anschaust, blinzle langsam und wende den Blick dann etwas ab. Viele Katzen erwidern dieses Blinzeln nach einer Weile.
Die Hand anbieten: Wenn die Katze sich nähert, streck ihr einen Finger oder die locker gekrümmte Hand entgegen und lass sie schnuppern. Reibt sie ihre Wange daran, darfst du sie vorsichtig an Kopf und Wangen streicheln. Zieht sie sich zurück, akzeptiere das.
Futter als Brücke: Füttere zu festen Zeiten und bleib in der Nähe, während die Katze frisst, aber nicht zu nah. So verbindet sie deine Anwesenheit mit etwas Angenehmem. Ein Leckerli, das du ihr auf dem Boden hinlegst, kann ein freundlicher Gruß sein.
Spielen: Eine Federangel ist ideal, um eine schüchterne Katze aus der Reserve zu locken. Du kannst Abstand halten und trotzdem gemeinsam etwas erleben.
Fressen, Trinken, Toilette: was normal ist
Viele Katzen fressen am ersten Tag wenig oder gar nichts. Das ist meist kein Grund zur Sorge. Behalte aber im Blick, ob sie innerhalb von etwa 24 Stunden wieder anfängt zu fressen. Eine Katze, die über längere Zeit gar nichts frisst, kann ernsthaft krank werden, besonders wenn sie übergewichtig ist: Ihr Körper beginnt, Fettreserven abzubauen, und die Leber kann damit überlastet werden. Wenn deine Katze länger als einen Tag gar nichts frisst, ruf deshalb die Tierarztpraxis an.
Auch die Toilette solltest du im Blick behalten. Dass eine Katze am ersten Tag kaum Urin absetzt, kann vorkommen. Wenn sie aber immer wieder auf die Toilette geht, presst und nichts kommt, ist das ein Notfall, besonders bei Katern.
Durchfall in den ersten Tagen ist häufig, weil Stress auf den Darm schlägt. Wenn er nach zwei, drei Tagen nicht besser wird, Blut enthält oder die Katze matt wirkt, sollte eine Tierärztin sie anschauen.
Die Wohnung erobern
Wenn die Katze sich im Startzimmer sicher fühlt, entspannt schläft, frisst und dich begrüßt, kannst du die Tür öffnen und sie die übrige Wohnung erkunden lassen. Bei manchen Katzen ist das nach einem Tag der Fall, bei anderen nach ein bis zwei Wochen.
Lass die Tür zum Startzimmer offen, damit die Katze sich jederzeit dorthin zurückziehen kann. Die erste Toilette bleibt am besten zunächst dort stehen. Stelle eine zweite Toilette an einem ruhigen Platz in der Wohnung auf.
Achte darauf, dass vorher alle Gefahrenquellen gesichert sind: gekippte Fenster, offene Balkontüren, giftige Pflanzen, Kabel und Kleinteile. Neue Katzen erkunden besonders gründlich und klettern gern auf Schränke und Fensterbänke.
Zeichen, dass die Katze ankommt
Eingewöhnung verläuft selten linear. Es gibt gute Tage und Rückschritte. Diese Zeichen zeigen dir, dass deine Katze Vertrauen fasst:
| Verhalten | Was es bedeutet |
|---|---|
| Sie schläft offen sichtbar, vielleicht sogar auf dem Rücken | Sie fühlt sich sicher genug, um verletzliche Haltungen einzunehmen |
| Sie reibt ihren Kopf an Möbeln oder an dir | Sie markiert ihr Revier mit Duftstoffen und nimmt dich darin auf |
| Sie kommt mit erhobenem Schwanz auf dich zu | eine freundliche Begrüßung |
| Sie blinzelt dich langsam an | Vertrauen und Entspannung |
| Sie frisst in deiner Anwesenheit | sie empfindet dich nicht als Bedrohung |
| Sie spielt und erkundet neugierig | sie ist entspannt genug, um aktiv zu werden |
Wenn es länger dauert
Besonders Katzen aus schwierigen Verhältnissen, ehemals verwilderte Katzen oder sehr sensible Tiere brauchen manchmal Wochen oder Monate. Gib nicht auf, wenn deine Katze nach einer Woche noch scheu ist. Bleib bei deinen Ritualen, sei verlässlich und berechenbar und übe keinen Druck aus. Viele dieser Katzen werden später besonders enge Bindungen eingehen, gerade weil man ihnen Zeit gelassen hat.
Hilfreich können auch Zerstäuber mit synthetischen Katzenpheromonen sein, die in die Steckdose gesteckt werden. Sie ahmen Duftstoffe nach, die Katzen beim Markieren mit der Wange hinterlassen, und können manchen Katzen das Gefühl geben, in einer vertrauten Umgebung zu sein. Sie wirken nicht bei jeder Katze und ersetzen keine ruhige Umgebung, sind aber einen Versuch wert.
Wenn deine Katze auch nach Wochen nicht frisst, sich nur versteckt, aggressiv reagiert oder unsauber ist, sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Manchmal stecken Schmerzen oder eine Erkrankung dahinter. Auch eine Beratung durch eine tierärztliche Verhaltensexpertin kann helfen.
Der erste Tierarztbesuch
Auch wenn deine Katze gesund wirkt und aus dem Tierheim geimpft und untersucht kommt, ist ein Kennenlerntermin bei deiner Tierarztpraxis in den ersten Wochen sinnvoll. So wird die Katze aktenkundig, die Praxis kann ihr Gewicht und ihren Zustand festhalten, und im Notfall musst du nicht erst alles erklären. Warte damit aber, bis sich die Katze etwas eingelebt hat, außer es gibt einen akuten Anlass.
Freigänger: erst ankommen, dann hinaus
Wenn deine Katze später Freigang haben soll, darf sie nicht sofort nach draußen. Sie muss ihr neues Zuhause erst als sicheren Ort kennen, zu dem sie zurückkehrt. Als Faustregel gelten mindestens vier bis sechs Wochen, bei unsicheren Katzen auch länger. Vor dem ersten Ausgang sollte die Katze kastriert, geimpft, gechippt und beim Haustierregister registriert sein.
Häufige Fragen
Soll ich nachts die Tür zum Schlafzimmer offen lassen?
Das kannst du entscheiden, wie es dir lieber ist, solange du konsequent bleibst. Wenn du die Katze nachts nicht im Bett haben möchtest, solltest du sie auch in der ersten Woche nicht hereinlassen, sonst gewöhnt sie sich daran.
Meine Katze miaut nachts laut. Was tun?
Viele Katzen rufen in den ersten Nächten, weil sie die Umgebung nicht kennen. Sorg dafür, dass sie am Abend gespielt und gefressen hat, und reagiere möglichst ruhig. Meist legt sich das nach einigen Tagen. Hält es länger an, besonders bei älteren Katzen, lass sie tierärztlich untersuchen.
Wann kann die Katze mit anderen Haustieren zusammentreffen?
Erst wenn sie sich im Startzimmer sicher fühlt. Die Zusammenführung mit einer anderen Katze oder einem Hund sollte schrittweise und über Gerüche beginnen. Mehr dazu in unseren Ratgebern zur Zweitkatze und zur Zusammenführung von Katze und Hund.