Ernährung älterer Katzen: Was sich ab zehn Jahren ändert
Senioren brauchen nicht weniger, sondern oft anderes Futter: mehr gut verdauliches Eiweiß, viel Flüssigkeit, angepasste Portionen und ein waches Auge für Gewichtsverlust, Zähne und Nieren.
Katzen werden heute älter als je zuvor. Fünfzehn, achtzehn, manchmal über zwanzig Jahre sind keine Seltenheit mehr. Das verdanken sie besserer tierärztlicher Versorgung, sicherer Haltung und hochwertigerem Futter. Doch mit den Jahren verändert sich der Körper einer Katze, und mit ihm die Anforderungen an die Ernährung.
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ältere Katzen grundsätzlich weniger Futter und weniger Eiweiß brauchen. Das stimmt nur teilweise. Dieser Ratgeber erklärt, was sich im Alter wirklich ändert und wie du deine Seniorin gut ernährst.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab etwa zehn Jahren gelten Katzen als Senioren, ab etwa fünfzehn als Hochbetagte.
- Während Katzen im mittleren Alter eher zu Übergewicht neigen, verlieren viele sehr alte Katzen Gewicht.
- Gesunde Senioren brauchen ausreichend gut verdauliches Eiweiß. Eiweiß wird nur bei bestimmten Erkrankungen gezielt angepasst.
- Viel Flüssigkeit über Nassfutter schont Nieren und Harnwege.
- Regelmäßiges Wiegen und zwei Vorsorgeuntersuchungen im Jahr sind die beste Vorbeugung.
Was sich im Alter verändert
Der Energiebedarf
Viele Katzen werden zwischen sieben und elf Jahren ruhiger, bewegen sich weniger und neigen zu Übergewicht. In dieser Phase kann es sinnvoll sein, die Futtermenge leicht zu reduzieren oder ein energieärmeres Futter zu wählen.
Bei Katzen ab etwa zwölf Jahren kehrt sich der Trend häufig um. Die Verdauung wird weniger effizient, vor allem Fett und Eiweiß werden schlechter aufgenommen. Gleichzeitig lassen Geruchs- und Geschmackssinn nach, und das Futter wird weniger interessant. Viele hochbetagte Katzen verlieren deshalb Gewicht und Muskelmasse. Für sie ist ein energiereiches, gut verdauliches Futter wichtig.
Muskeln und Eiweiß
Mit dem Alter bauen Katzen Muskulatur ab, ähnlich wie Menschen. Ausreichend hochwertiges Eiweiß hilft, diesen Abbau zu verlangsamen. Eine gesunde ältere Katze sollte deshalb nicht pauschal eiweißreduziert gefüttert werden. Eiweißreduzierte Futter sind für Katzen mit bestimmten Erkrankungen gedacht, vor allem bei fortgeschrittener Nierenerkrankung, und sollten nur nach tierärztlicher Empfehlung gefüttert werden.
Nieren
Die chronische Nierenerkrankung gehört zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen. Sie entwickelt sich schleichend, und erste Zeichen wie vermehrtes Trinken werden oft übersehen. Bei einer diagnostizierten Nierenerkrankung ist eine Nierendiät mit reduziertem Phosphorgehalt einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung. Ohne Diagnose solltest du aber nicht vorsorglich auf ein Nierenfutter umstellen.
Zähne
Viele ältere Katzen haben Zahnprobleme: Zahnstein, Zahnfleischentzündungen oder schmerzhafte Zahnresorptionen. Eine Katze mit Zahnschmerzen frisst oft weniger, frisst nur noch Nassfutter, kaut auf einer Seite oder lässt Futter aus dem Maul fallen. Weiches Futter kann helfen, ersetzt aber nicht die Behandlung der Zähne.
Sinne und Gelenke
Ein nachlassender Geruchssinn macht das Futter weniger attraktiv. Arthrose kann es beschwerlich machen, sich zum Napf hinunterzubeugen oder auf den erhöhten Futterplatz zu springen, an dem die Katze jahrelang gefressen hat.
So ernährst du eine Seniorin richtig
Viel Flüssigkeit
Ältere Katzen sind anfälliger für Flüssigkeitsmangel. Ein hoher Anteil an Nassfutter ist deshalb besonders sinnvoll. Verteile mehrere Wasserschalen in der Wohnung, auch auf ihren Lieblingsplätzen, und erleichtere ihr den Zugang.
Kleine, häufige Mahlzeiten
Viele ältere Katzen fressen lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt als zwei große. Das kommt auch der weniger effizienten Verdauung entgegen. Frisch angebotenes Futter riecht intensiver.
Futter leicht anwärmen
Auf Körpertemperatur angewärmtes Nassfutter duftet stärker und regt den Appetit an. Ein Löffel warmes Wasser reicht. Erwärme Futter nicht in der Mikrowelle, ohne gründlich umzurühren, damit keine heißen Stellen entstehen.
Bequeme Futterplätze
Erhöhe den Napf leicht, zum Beispiel mit einem stabilen Ständer, damit sich die Katze nicht weit herunterbeugen muss. Sorg dafür, dass Futter und Wasser ohne Springen und Klettern erreichbar sind. Ein rutschfester Untergrund gibt Sicherheit.
Ein passendes Futter wählen
Futter für ältere Katzen, oft als „Senior“ oder „7+“ bezeichnet, ist nicht einheitlich zusammengesetzt. Manche sind energieärmer, um Übergewicht vorzubeugen, andere energiereicher und besonders gut verdaulich. Welches Futter passt, hängt davon ab, ob deine Katze eher zu- oder abnimmt. Sprich das bei der Vorsorgeuntersuchung an.
Ruhe beim Fressen
Im Mehrkatzenhaushalt werden ältere Katzen manchmal von jüngeren vom Napf verdrängt. Achte darauf, dass die Seniorin in Ruhe fressen kann, notfalls in einem eigenen Raum.
Gewichtsverlust ernst nehmen
Ein Gewichtsverlust bei einer älteren Katze ist kein normales Zeichen des Alterns, sondern fast immer ein Hinweis auf eine Ursache, die man suchen sollte. Mögliche Gründe sind:
| mögliche Ursache | typische weitere Zeichen |
|---|---|
| Schilddrüsenüberfunktion | großer Appetit, Unruhe, vermehrtes Trinken, struppiges Fell |
| chronische Nierenerkrankung | vermehrtes Trinken und Urinieren, Appetitlosigkeit, Erbrechen |
| Diabetes mellitus | großer Durst, viel Urin, Appetit oft gut |
| Zahnerkrankungen | Mundgeruch, Sabbern, vorsichtiges Kauen |
| Darmerkrankungen | Durchfall, Erbrechen, wechselnder Appetit |
| Tumorerkrankungen | unterschiedlich, oft schleichender Verlauf |
| Schmerzen, etwa durch Arthrose | weniger Bewegung, steifer Gang, Rückzug |
Wiege deine ältere Katze einmal im Monat und notiere das Gewicht. Ein Verlust von fünf Prozent oder mehr, bei einer Katze mit vier Kilogramm also zweihundert Gramm, ist ein Grund für einen Tierarztbesuch, auch wenn sie sonst munter wirkt.
Vorsorge: zweimal im Jahr
Viele Tierärztinnen und Tierärzte empfehlen für Katzen ab etwa zehn Jahren zwei Untersuchungen im Jahr. Dabei werden Gewicht, Zähne, Herz, Gelenke und Schilddrüse beurteilt, und je nach Befund werden Blut und Urin untersucht und der Blutdruck gemessen. So lassen sich Erkrankungen wie die Nierenerkrankung oder eine Schilddrüsenüberfunktion oft erkennen, bevor sie deutliche Beschwerden machen. Viele dieser Erkrankungen sind gut behandelbar, und die richtige Ernährung ist dabei oft ein wichtiger Teil.
Nahrungsergänzungen
Für ältere Katzen werden zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel angeboten, etwa für Gelenke, Nieren oder das Gehirn. Einige, zum Beispiel bestimmte Omega-3-Fettsäuren, können in passenden Situationen sinnvoll sein. Gib Ergänzungen aber nur nach Rücksprache mit der Tierärztin. Ein vollständiges Alleinfuttermittel deckt den Grundbedarf, und manche Zusätze können bei bestimmten Erkrankungen sogar schaden.
Wenn die Seniorin schlecht frisst
Ältere Katzen fressen oft wählerischer und unregelmäßiger als früher. Ein paar Kniffe helfen, den Appetit zu wecken:
- Duft verstärken: Angewärmtes Nassfutter, ein wenig Saft aus der Dose oder ein paar Tropfen ungesalzene Hühnerbrühe ohne Zwiebeln machen das Futter interessanter.
- Teller statt Napf: Viele alte Katzen fressen von einem flachen Teller lieber, weil sie den Kopf nicht tief senken müssen und die Schnurrhaare nicht anstoßen.
- Futter aus der Hand: Manche Senioren fressen besser, wenn ihr Mensch ihnen die ersten Bissen auf dem Finger anbietet. Die Zuwendung allein regt oft den Appetit an.
- Ruhige Atmosphäre: Ein Futterplatz ohne Durchgangsverkehr, weit weg von der Toilette und von lauten Geräten, ist für ältere Katzen besonders wichtig.
- Kleine Portionen öfter: Lieber fünf kleine Mahlzeiten als zwei große, die halb im Napf stehen bleiben.
Wenn deine ältere Katze einen ganzen Tag lang nichts frisst, über mehrere Tage deutlich weniger frisst als sonst oder dabei erbricht, warte nicht ab. Übelkeit, Zahnschmerzen und Nierenprobleme lassen sich behandeln, und die Tierärztin kann bei Bedarf auch appetitanregende und übelkeitshemmende Mittel einsetzen.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich auf Seniorenfutter umstellen?
Es gibt kein festes Alter. Entscheidend ist der Zustand deiner Katze. Eine schlanke, aktive Zwölfjährige kann ihr bisheriges Futter behalten. Eine Zehnjährige, die zunimmt, braucht vielleicht ein energieärmeres Futter, eine Sechzehnjährige, die abnimmt, ein energiereicheres.
Meine alte Katze frisst nur noch Leckerli. Was tun?
Lass sie zuerst untersuchen, denn oft stecken Zahnschmerzen, Übelkeit oder eine Erkrankung dahinter. Bis dahin ist es besser, dass sie überhaupt frisst, als gar nicht. Versuche angewärmtes, stark duftendes Nassfutter und kleine, häufige Portionen.
Darf ich meiner Seniorin Milch geben?
Viele ältere Katzen vertragen Milch ebenso wenig wie jüngere. Laktosereduzierte Katzenmilch ist gelegentlich in Ordnung, aber kein Ersatz für Wasser oder Futter.