Warum schnurren Katzen? Was hinter dem Brummen steckt
Schnurren bedeutet nicht immer Zufriedenheit. Wie Katzen schnurren, warum schon Kätzchen es können, was das Bettel-Schnurren ist und wann es ein Hilferuf sein kann.
Es gibt kaum ein Geräusch, das so beruhigend wirkt wie das Schnurren einer Katze. Ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das man nicht nur hört, sondern auch spürt, wenn die Katze auf dem Schoß liegt. Für die meisten Menschen ist klar: Eine Katze, die schnurrt, ist zufrieden.
Das stimmt oft, aber nicht immer. Katzen schnurren auch, wenn sie Schmerzen haben, Angst verspüren oder krank sind, manchmal sogar im Sterben. Das Schnurren ist ein vielseitiges Signal, über das die Wissenschaft noch nicht alles weiß. Dieser Ratgeber erklärt, was man heute darüber weiß.
Das Wichtigste in Kürze
- Katzen schnurren, indem Muskeln im Kehlkopf die Stimmbänder in schnellem Rhythmus bewegen, beim Ein- und beim Ausatmen.
- Schon wenige Tage alte Kätzchen schnurren, vermutlich um der Mutter zu signalisieren, dass alles in Ordnung ist.
- Schnurren bedeutet nicht nur Zufriedenheit, sondern kann auch Stress, Schmerzen oder Krankheit begleiten.
- Manche Katzen setzen ein besonderes Schnurren ein, um Futter zu erbetteln.
- Ob Schnurren die Heilung fördert, ist bisher nicht belegt.
Wie Katzen schnurren
Lange war unklar, wie das Schnurren überhaupt entsteht. Die gängige Erklärung lautet, dass ein Rhythmusgeber im Gehirn Muskeln im Kehlkopf ansteuert. Diese Muskeln ziehen sich sehr schnell zusammen und entspannen sich wieder, wodurch sich die Stimmritze öffnet und schließt. Die durchströmende Luft gerät dabei in Schwingung, und zwar beim Einatmen und beim Ausatmen. Deshalb kann eine Katze minutenlang ohne hörbare Unterbrechung schnurren, während sie ganz normal atmet.
Die Frequenz des Schnurrens liegt meist im Bereich von etwa 25 bis 150 Schwingungen pro Sekunde, also im tiefen Tonbereich. Jede Katze hat ihr eigenes Schnurren: Manche schnurren so leise, dass man es nur spürt, andere so laut, dass man es durch die ganze Wohnung hört.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 hat diese Erklärung allerdings ergänzt: Forschende konnten an Kehlköpfen von Katzen zeigen, dass die Stimmbänder in Schnurrfrequenzen schwingen können, wenn nur Luft hindurchströmt, und dass in den Stimmbändern besondere Gewebepolster liegen, die so tiefe Töne begünstigen. Wie genau Nerven, Muskeln und Stimmbänder zusammenspielen, ist deshalb noch nicht abschließend geklärt.
Schnurren von Anfang an
Kätzchen beginnen schon in den ersten Lebenstagen zu schnurren, oft während sie trinken. Da sie in dieser Zeit noch blind und taub sind, ist das Schnurren eine der ersten Formen der Verständigung. Vermutlich signalisiert es der Mutter: Ich bin hier, mir geht es gut, ich trinke. Die Mutter wiederum schnurrt, während sie ihre Jungen säugt, und die Kätzchen spüren die Vibration, auch wenn sie sie noch nicht hören.
Dieses frühe Schnurren könnte erklären, warum erwachsene Katzen in Situationen schnurren, in denen sie sich geborgen fühlen: auf dem Schoß eines vertrauten Menschen, beim Milchtritt auf einer weichen Decke, beim Gekraultwerden.
Wann Katzen schnurren
Zufriedenheit und Entspannung
Das ist die bekannteste Situation. Eine Katze, die auf dem Sofa liegt, die Augen halb geschlossen, die Pfoten entspannt, und dabei schnurrt, fühlt sich wohl. Oft geht das Schnurren mit Milchtritt, langsamem Blinzeln und Köpfchengeben einher.
Kontaktaufnahme
Viele Katzen schnurren, wenn sie auf einen Menschen oder eine andere Katze zugehen, die sie mögen. Das Schnurren kann eine freundliche Absicht ausdrücken: Ich komme in Frieden.
Schmerzen, Angst und Krankheit
Katzen schnurren auch in Situationen, die alles andere als angenehm sind: auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt, nach einem Unfall, bei Schmerzen, während der Geburt und manchmal im Sterben. Vermutlich beruhigen sie sich damit selbst, ähnlich wie Menschen in schwierigen Momenten summen oder sich hin- und herwiegen. Möglicherweise ist es auch ein Signal an andere: Ich bin hilflos, bitte tu mir nichts.
Deshalb ist Schnurren allein kein Zeichen von Gesundheit. Wenn eine Katze schnurrt und gleichzeitig zurückgezogen ist, nicht frisst, gekrümmt sitzt oder andere Krankheitszeichen zeigt, solltest du sie tierärztlich untersuchen lassen.
Das Bettel-Schnurren
Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter kennen es: Am frühen Morgen sitzt die Katze neben dem Bett und schnurrt auf eine besonders eindringliche Art, der man schwer widerstehen kann. Britische Forschende haben 2009 untersucht, was dahintersteckt. Sie fanden heraus, dass manche Katzen beim Betteln um Futter ein anderes Schnurren einsetzen als in entspannten Situationen. Darin verbirgt sich ein hoher, klagender Ton, der an das Schreien eines Säuglings erinnert. Menschen empfinden dieses Schnurren als dringlicher und unangenehmer, und es bringt sie offenbar dazu, aufzustehen und den Napf zu füllen.
Dieses Bettel-Schnurren ist vermutlich erlernt: Katzen, die damit Erfolg haben, setzen es häufiger ein. Es zeigt, wie geschickt Katzen ihre Laute an das Zusammenleben mit Menschen anpassen.
Kann Schnurren heilen?
Immer wieder liest man, dass Schnurren Knochenbrüche schneller heilen lasse oder Menschen gegen Stress und Bluthochdruck helfe. Hintergrund ist, dass Vibrationen in bestimmten tiefen Frequenzen in der Medizin zur Förderung des Knochenwachstums untersucht werden, und dass das Schnurren von Katzen teilweise in diesen Frequenzbereich fällt.
Ob das Schnurren tatsächlich eine heilende Wirkung auf die Katze selbst hat, ist allerdings nicht belegt. Es handelt sich um eine interessante Hypothese, nicht um eine gesicherte Erkenntnis. Bei verletzten Katzen ersetzt Schnurren selbstverständlich keine Behandlung.
Dass Menschen sich in Gesellschaft einer schnurrenden Katze entspannen, ist dagegen für viele eine alltägliche Erfahrung. Das Zusammenleben mit Haustieren kann das Wohlbefinden verbessern, auch wenn sich einzelne gesundheitliche Effekte schwer nachweisen lassen.
Schnurren alle Katzen?
Fast alle Hauskatzen schnurren, manche allerdings so leise, dass man es kaum bemerkt. Wenn deine Katze nie zu schnurren scheint, leg die Hand sanft auf ihren Hals oder ihre Brust, während sie entspannt ist. Oft spürt man das Vibrieren, auch wenn man nichts hört.
Auch bei den wilden Verwandten der Hauskatze ist Schnurren verbreitet. Gepard, Puma, Luchs, Ozelot und viele andere kleinere Wildkatzen schnurren. Die großen „Brüllkatzen“ wie Löwe, Tiger, Leopard und Jaguar können dagegen brüllen, aber nicht in der gleichen Weise ununterbrochen schnurren. Ihr Kehlkopf ist anders gebaut. Manche von ihnen geben beim Ausatmen ein ähnliches Brummen von sich, das aber nicht durchgehend ist.
Andere Laute, die wie Schnurren klingen
- Gurren oder Trillern: ein kurzer, gurrender Laut mit geschlossenem Maul, oft zur Begrüßung. Mutterkatzen rufen so ihre Jungen.
- Brummeln: Manche Katzen geben beim Fressen ein zufriedenes Brummeln von sich.
- Knurren: Ein tiefes, drohendes Geräusch, das manchmal mit Schnurren verwechselt wird. Es kommt aber aus angespannter Haltung, oft mit angelegten Ohren, und ist eine Warnung.
Häufige Fragen
Meine Katze schnurrt beim Tierarzt. Ist sie entspannt?
Wahrscheinlich nicht. Viele Katzen schnurren in Stresssituationen, um sich zu beruhigen. Achte auf die übrigen Signale wie angelegte Ohren, große Pupillen und eine geduckte Haltung.
Warum schnurrt meine Katze und beißt dann?
Schnurren und eine zunehmende Reizung durch Streicheln können gleichzeitig auftreten. Die Katze genießt es zunächst, wird aber irgendwann überreizt. Achte auf die Warnsignale wie den schlagenden Schwanz und hör rechtzeitig auf.
Meine Katze hat plötzlich aufgehört zu schnurren. Ist das bedenklich?
Ein vorübergehend fehlendes Schnurren ist meist harmlos. Wenn deine Katze aber gleichzeitig weniger frisst, sich zurückzieht oder heiser klingt, lass sie untersuchen.