Katze trinkt zu wenig: Ursachen, Risiken und 12 Tricks, die helfen
Warum viele Katzen wenig trinken, woran du Flüssigkeitsmangel erkennst, wie du deine Katze zum Trinken animierst und wann auch zu viel Trinken ein Warnzeichen ist.
Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter machen sich Sorgen, weil sie ihre Katze kaum je am Wassernapf sehen. Oft ist diese Sorge unbegründet, denn Katzen nehmen einen großen Teil ihrer Flüssigkeit über das Futter auf. Trotzdem trinken viele Hauskatzen tatsächlich zu wenig, besonders wenn sie überwiegend Trockenfutter bekommen. Und das kann auf Dauer Folgen für Nieren und Harnwege haben.
Dieser Ratgeber erklärt, wie viel Flüssigkeit eine Katze braucht, woran du einen Mangel erkennst und mit welchen einfachen Mitteln du deine Katze zum Trinken bringst. Außerdem erfährst du, warum auch auffällig viel Trinken ein Grund für einen Tierarztbesuch ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Katzen haben ein schwaches Durstgefühl und decken ihren Wasserbedarf natürlicherweise vor allem über die Beute.
- Katzen, die viel Nassfutter fressen, trinken weniger, ohne dass ihnen etwas fehlt.
- Mehrere Wasserstellen abseits vom Futter, breite Schalen und frisches Wasser regen zum Trinken an.
- Plötzlich deutlich mehr Trinken kann ein Zeichen für Nierenerkrankung, Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion sein.
Wie viel Flüssigkeit braucht eine Katze?
Als grobe Orientierung gilt, dass eine gesunde Katze pro Kilogramm Körpergewicht etwa 40 bis 60 Milliliter Flüssigkeit am Tag braucht. Eine Katze mit vier Kilogramm benötigt also ungefähr 160 bis 240 Milliliter, etwa so viel wie eine kleine Tasse. Diese Menge muss sie aber nicht aus dem Napf trinken. Sie stammt zu einem großen Teil aus dem Futter.
Ein Beispiel: Ein Schälchen Nassfutter mit hundert Gramm enthält ungefähr achtzig Milliliter Wasser. Eine Katze, die drei solche Schälchen am Tag frisst, nimmt damit bereits einen Großteil ihres Bedarfs auf und trinkt deshalb nur noch wenig dazu. Das ist völlig normal.
Bei Trockenfutter sieht es anders aus. Sechzig Gramm Trockenfutter enthalten nur wenige Milliliter Wasser. Eine Katze, die ausschließlich Trockenfutter frisst, müsste also fast ihren gesamten Bedarf trinken, was viele Katzen nicht tun.
Warum Katzen wenig trinken
Die Vorfahren unserer Hauskatzen lebten in trockenen Gebieten und haben gelernt, mit wenig Wasser auszukommen. Ihre Nieren können den Urin stark konzentrieren, und ihr Durstgefühl setzt erst spät ein. Was in der Wüste ein Vorteil war, ist für eine Wohnungskatze mit Trockenfutter eher ein Nachteil.
Dazu kommen Vorlieben, die mit dem Napf zu tun haben:
- Wasser neben dem Futter: In der Natur meiden Katzen Wasser in der Nähe ihrer Beute, weil es verunreinigt sein könnte.
- Schmale, tiefe Näpfe: Viele Katzen mögen es nicht, wenn ihre Schnurrhaare den Rand berühren.
- Abgestandenes Wasser: Katzen riechen sehr fein und bevorzugen frisches Wasser.
- Ungünstiger Standort: neben der lauten Waschmaschine, in einer Ecke, aus der die Katze nicht flüchten kann, oder neben der Toilette.
Woran du Flüssigkeitsmangel erkennst
Leichter Flüssigkeitsmangel ist von außen schwer zu erkennen. Diese Zeichen können darauf hinweisen:
- wenig Urin: Die Klumpen in der Katzentoilette sind klein und selten.
- Hautfaltentest: Wenn du die Haut im Nacken sanft anhebst und loslässt, sollte sie sofort zurückgleiten. Bleibt sie einen Moment stehen, kann das auf Flüssigkeitsmangel hindeuten. Bei älteren und sehr schlanken Katzen ist dieser Test allerdings weniger aussagekräftig.
- trockenes, klebriges Zahnfleisch
- eingesunkene Augen und Mattigkeit bei stärkerem Mangel
- harter, trockener Kot oder Verstopfung
Eine Katze, die deutlich ausgetrocknet wirkt, apathisch ist oder nicht frisst, gehört noch am selben Tag zur Tierärztin.
Warum es auf Dauer wichtig ist
Wer wenig trinkt, bildet konzentrierten Urin. In konzentriertem Urin können leichter Kristalle und Harnsteine entstehen, und die Blase wird seltener durchgespült. Erkrankungen der unteren Harnwege gehören zu den häufigsten Gründen für Tierarztbesuche bei Katzen. Besonders gefährlich ist es für Kater: Ihre Harnröhre ist eng, und wenn sie durch Kristalle oder Entzündungsmaterial verstopft wird, kann die Katze keinen Urin mehr absetzen. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Ausreichend Flüssigkeit ist auch für ältere Katzen wichtig, deren Nieren mit den Jahren an Leistung verlieren.
12 Tricks, die deine Katze zum Trinken bringen
- Mehr Nassfutter füttern. Das ist der wirksamste Weg. Schon ein oder zwei Nassfuttermahlzeiten am Tag machen einen großen Unterschied.
- Wasser unter das Nassfutter mischen. Ein, zwei Esslöffel lauwarmes Wasser machen die Soße noch flüssiger. Die meisten Katzen merken es nicht.
- Wasser und Futter trennen. Stell die Wassernäpfe mindestens einige Meter vom Futterplatz entfernt auf.
- Mehrere Wasserstellen anbieten. In jedem Raum, in dem sich die Katze gern aufhält, eine. So kommt sie im Vorbeigehen am Wasser vorbei.
- Breite, flache Schalen verwenden. Keramik, Glas oder Edelstahl sind ideal. Kunststoff kann einen Eigengeschmack haben.
- Den Napf randvoll füllen. Viele Katzen trinken lieber, wenn sie nicht tief hineinbeugen müssen.
- Täglich frisches Wasser geben. Spüle die Näpfe täglich aus. Ein Biofilm am Rand ist ein Zeichen, dass es Zeit ist.
- Einen Trinkbrunnen ausprobieren. Viele Katzen fühlen sich von fließendem Wasser angezogen. Der Brunnen muss aber regelmäßig gereinigt und der Filter gewechselt werden.
- Den Wasserhahn nutzen. Manche Katzen trinken am liebsten aus dem laufenden Hahn. Wenn deine Katze dazu gehört, lass ihr diese Freude, wenn du in der Nähe bist.
- Interessante Plätze wählen. Eine Schale auf der Fensterbank oder dem Kratzbaum ist für manche Katzen attraktiver als ein Napf auf dem Boden.
- Ein Trink-Leckerli anbieten. Es gibt flüssige Snacks für Katzen. Prüfe, ob es sich um ein Ergänzungsfuttermittel handelt, und zähle die Kalorien zur Tagesration.
- Ungewürzte Brühe als Ausnahme. Ein wenig selbst gekochte, ungesalzene Hühnerbrühe ohne Zwiebeln und Knoblauch kann eine trinkfaule Katze locken. Fertige Brühen für Menschen enthalten fast immer Salz, Zwiebeln oder Knoblauch und sind ungeeignet.
Was du nicht tun solltest: Kuhmilch ist kein Wasserersatz. Viele erwachsene Katzen vertragen den Milchzucker nicht und bekommen Durchfall. Auch spezielle Katzenmilch ist eher eine Leckerei mit Kalorien als ein Getränk.
Wenn die Katze plötzlich viel trinkt
Mindestens genauso wichtig wie zu wenig Trinken ist das Gegenteil. Wenn deine Katze plötzlich auffällig oft am Napf steht, du den Napf öfter nachfüllen musst und die Urinklumpen in der Toilette größer werden, ist das ein Grund, zeitnah einen Termin beim Tierarzt zu machen. Mögliche Ursachen sind:
- chronische Nierenerkrankung, die bei älteren Katzen sehr häufig ist
- Diabetes mellitus, besonders bei übergewichtigen Katzen
- Schilddrüsenüberfunktion, oft verbunden mit Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- andere Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten
Alle diese Erkrankungen lassen sich mit Blut- und Urinuntersuchungen feststellen und in vielen Fällen gut behandeln, besonders wenn sie früh erkannt werden.
Ein Hinweis: Wenn du kürzlich von Nassfutter auf Trockenfutter umgestellt hast, ist es normal, dass deine Katze mehr trinkt. Auch an heißen Tagen trinken Katzen mehr.
So behältst du den Überblick
Es ist schwer, die Trinkmenge einer Katze genau zu messen, besonders wenn mehrere Tiere im Haushalt leben. Einfache Hilfen sind:
- den Napf morgens mit einer abgemessenen Menge füllen und abends nachsehen, wie viel fehlt (Verdunstung beachten)
- auf die Größe und Anzahl der Urinklumpen in der Toilette achten
- auffällige Veränderungen kurz notieren, um sie der Tierärztin schildern zu können
Häufige Fragen
Meine Katze trinkt fast nie, frisst aber nur Nassfutter. Ist das bedenklich?
Meist nicht. Nassfutter deckt einen großen Teil des Bedarfs. Solange sie regelmäßig normal große Urinmengen absetzt, munter ist und gut frisst, ist alles in Ordnung.
Ist Leitungswasser für Katzen geeignet?
In Deutschland ja. Leitungswasser ist streng kontrolliert. Sehr kalkhaltiges Wasser ist für Katzen nicht schädlich. Abgekochtes oder gefiltertes Wasser ist nicht nötig, kann aber bei manchen Katzen beliebter sein.
Darf meine Katze aus Pfützen und Blumentöpfen trinken?
Viele Katzen lieben abgestandenes Regenwasser. In der Regel schadet es nicht. Vorsicht ist bei Gießwasser mit Dünger, Untersetzern von Pflanzen, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, und bei Vasenwasser von Lilien geboten, denn das ist für Katzen giftig.