Zahngesundheit bei Katzen: Zahnstein, Zahnfleischentzündung und FORL
Die meisten erwachsenen Katzen haben Zahnprobleme, die man ihnen nicht ansieht. Woran du Zahnschmerzen erkennst, wie du vorbeugst und warum Zahnbehandlungen bei Katzen in Narkose stattfinden.
Wenn Katzen Zahnschmerzen haben, fressen sie trotzdem. Das ist der Grund, warum Zahnerkrankungen bei Katzen so oft übersehen werden. Eine Katze mit einem entzündeten Zahnfleisch oder einem aufgelösten Zahn wird nicht jammern und nicht den Napf verweigern. Sie wird vielleicht etwas langsamer fressen, nur noch auf einer Seite kauen oder die Kroketten im Ganzen schlucken. Und ihre Menschen merken es nicht.
Dabei sind Zahnerkrankungen bei erwachsenen Katzen sehr häufig. Untersuchungen zeigen, dass ein großer Teil der Katzen über drei Jahren Anzeichen von Zahnfleischentzündung oder anderen Erkrankungen im Maul hat. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Probleme und was du tun kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Erwachsene Katzen haben 30 Zähne, Kätzchen 26 Milchzähne, die mit etwa drei bis sechs Monaten gewechselt werden.
- Häufige Erkrankungen sind Zahnstein, Zahnfleischentzündung und FORL, eine schmerzhafte Auflösung der Zähne.
- Typische Zeichen sind Mundgeruch, Sabbern, einseitiges Kauen und Futter, das aus dem Maul fällt.
- Zähneputzen ist die wirksamste Vorbeugung, wenn die Katze es lernt.
- Gründliche Zahnbehandlungen erfordern eine Narkose und Röntgenaufnahmen.
Das Katzengebiss
Erwachsene Katzen haben 30 Zähne: kleine Schneidezähne, vier lange Eckzähne, Prämolaren und Molaren. Sie sind auf das Festhalten und Zerschneiden von Beute spezialisiert, nicht auf das Zermahlen. Katzen kauen ihr Futter deshalb kaum, sie schneiden es in Stücke und schlucken.
Kätzchen bekommen zunächst 26 Milchzähne. Zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat fallen sie aus und werden durch die bleibenden Zähne ersetzt. Manchmal bleibt ein Milchzahn stehen, obwohl der bleibende Zahn schon da ist, meist ein Eckzahn. Dann sollte die Tierärztin entscheiden, ob er gezogen werden muss.
Die häufigsten Zahnerkrankungen
Zahnbelag und Zahnstein
Wie bei Menschen bildet sich auf den Zähnen von Katzen ein Belag aus Bakterien und Speiseresten. Wird er nicht entfernt, verhärtet er durch Mineralien aus dem Speichel zu Zahnstein, einer gelblich-braunen Kruste, die meist zuerst an den hinteren Backenzähnen sichtbar wird. Zahnstein selbst ist nicht schmerzhaft, aber er bietet Bakterien einen Ort, an dem sie sich festsetzen und das Zahnfleisch angreifen.
Zahnfleischentzündung und Parodontitis
Eine Zahnfleischentzündung erkennt man an einem roten Saum am Zahnfleischrand, manchmal mit Schwellung und Blutungen. Bleibt sie unbehandelt, kann sie auf den Zahnhalteapparat übergreifen. Dann bilden sich Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch, der Knochen wird abgebaut, Zähne lockern sich und fallen schließlich aus. Diese Parodontitis ist schmerzhaft und eine dauerhafte Entzündungsquelle im Körper.
FORL: Zähne, die sich auflösen
FORL steht für feline odontoklastische resorptive Läsionen, heute oft einfach Zahnresorption genannt. Dabei bauen körpereigene Zellen die Zahnsubstanz ab, oft beginnend am Zahnhals direkt am Zahnfleischrand. Die Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Zahnresorptionen sind bei Katzen sehr häufig, besonders mit zunehmendem Alter.
Das Tückische: Von außen sieht man oft nur eine kleine Rötung am Zahnfleisch oder eine Stelle, an der das Zahnfleisch in den Zahn hineinzuwachsen scheint. Der größte Teil des Schadens liegt unter dem Zahnfleisch und ist nur auf dem Röntgenbild sichtbar. Wenn das Zahnmark freiliegt, ist das sehr schmerzhaft. Betroffene Zähne lassen sich nicht reparieren und werden in der Regel entfernt oder, je nach Typ der Resorption, bis auf die Wurzel abgetragen.
Gingivostomatitis
Bei manchen Katzen entsteht eine schwere, chronische Entzündung der gesamten Maulschleimhaut, besonders im hinteren Rachenbereich. Die Ursache ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Zahnbelag. Die Katzen haben starke Schmerzen, fressen kaum, sabbern und pflegen ihr Fell nicht mehr. Diese Erkrankung erfordert eine intensive Behandlung, oft das Entfernen vieler oder aller Backenzähne, was den meisten Katzen deutlich hilft.
Zahnfrakturen
Abgebrochene Zähne, besonders Eckzähne, entstehen durch Stürze, Unfälle oder Bisse auf harte Gegenstände. Wenn das Zahnmark freiliegt, kann sich der Zahn entzünden, und es entsteht ein Abszess an der Wurzel.
Woran du Zahnschmerzen erkennst
Katzen zeigen Zahnschmerzen selten deutlich. Achte auf diese Zeichen:
- Mundgeruch, der stärker ist als der normale Futtergeruch
- Sabbern, manchmal mit Blut im Speichel
- einseitiges Kauen oder schiefes Halten des Kopfes beim Fressen
- Futter fällt aus dem Maul, oder die Katze schüttelt beim Fressen den Kopf
- Vorliebe für weiches Futter, Trockenfutter wird verweigert oder ganz geschluckt
- Pfoten am Maul, Reiben des Gesichts
- Zähneklappern oder Kieferzittern beim Fressen
- struppiges Fell, weil die Katze sich wegen der Schmerzen weniger putzt
- Rückzug, Gereiztheit, Abwehr, wenn man den Kopf berührt
- Gewichtsverlust
Viele Halterinnen und Halter berichten nach einer Zahnbehandlung, dass ihre Katze wieder verspielter, verschmuster und lebhafter ist. Erst dann wird deutlich, wie lange sie Schmerzen hatte.
Vorbeugen: Zähneputzen bei der Katze
Das Putzen der Zähne ist die wirksamste Methode, Zahnbelag zu verringern. Das klingt für viele Katzenhalter abenteuerlich, aber viele Katzen lassen es zu, wenn man sie langsam daran gewöhnt, am besten schon als Kitten.
Was du brauchst: eine weiche Zahnbürste für Katzen oder eine Fingerzahnbürste und eine Zahnpasta für Katzen. Verwende keine Zahnpasta für Menschen. Sie enthält Stoffe, die nicht geschluckt werden sollten, und schäumt.
Schritt für Schritt:
- Lass deine Katze ein wenig Katzenzahnpasta vom Finger lecken. Viele mögen den Geschmack.
- Hebe die Lefze vorsichtig an und berühre mit dem Finger die Zähne und das Zahnfleisch, nur ein paar Sekunden, dann belohnen.
- Nach einigen Tagen nimmst du die Fingerzahnbürste und reibst sanft über die Außenseiten der Backenzähne.
- Steigere langsam die Dauer, bis du alle Außenflächen der Zähne erreichst. Die Innenseiten reinigt die Zunge der Katze weitgehend selbst.
- Ideal ist tägliches Putzen. Schon mehrmals pro Woche hilft.
Brich ab, bevor die Katze sich wehrt, und beende jede Einheit mit einer Belohnung. Wenn das Zahnfleisch schon entzündet ist und blutet, lass die Katze erst behandeln, sonst verbindet sie das Putzen mit Schmerzen.
Ergänzungen: Spezielle Zahnpflegefutter mit besonderer Struktur, Kauknabbereien oder Zusätze für das Trinkwasser können einen gewissen Beitrag leisten, ersetzen aber das Putzen nicht. Normales Trockenfutter reinigt die Zähne kaum.
Die Zahnbehandlung beim Tierarzt
Bei der jährlichen Untersuchung schaut die Tierärztin auch in das Maul deiner Katze. Wenn Zahnstein, Entzündungen oder Verdacht auf Resorptionen bestehen, empfiehlt sie eine Zahnbehandlung.
Diese findet immer in Vollnarkose statt. Eine Katze würde es nicht dulden, dass man unter dem Zahnfleisch reinigt, und ohne Narkose ließen sich die Taschen und die Innenseiten der Zähne nicht untersuchen. Außerdem schützt ein Tubus in der Luftröhre davor, dass Wasser und Bakterien in die Lunge gelangen. Zahnsteinentfernung ohne Narkose, wie sie manchmal angeboten wird, entfernt nur sichtbare Beläge, nicht die Ursachen, und wird von Fachgesellschaften nicht empfohlen.
Eine gründliche Zahnbehandlung umfasst:
- Röntgenaufnahmen aller Zähne, um Resorptionen, Wurzelentzündungen und Knochenabbau zu erkennen
- Entfernen von Zahnstein über und unter dem Zahnfleisch mit Ultraschall
- Untersuchen jeder Zahntasche mit einer Sonde
- Ziehen erkrankter Zähne, wenn nötig
- Polieren der Zahnoberflächen, damit sich weniger schnell neuer Belag festsetzt
Viele Katzenhalter sorgen sich, wenn ihre Katze mehrere Zähne verliert. Katzen kommen aber erstaunlich gut mit wenigen oder sogar ohne Zähne zurecht und fressen danach oft besser als vorher, weil die Schmerzen weg sind. Die meisten können sogar wieder Trockenfutter fressen.
Häufige Fragen
Ist eine Narkose bei älteren Katzen nicht zu gefährlich?
Moderne Narkosen sind auch bei älteren Katzen sicher, wenn vorher Blutuntersuchungen gemacht werden und die Katze während des Eingriffs überwacht wird. Das Risiko, eine Katze mit Zahnschmerzen und chronischer Entzündung unbehandelt zu lassen, ist meist größer.
Wie oft braucht meine Katze eine Zahnreinigung?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Katzen brauchen nie eine, andere jedes Jahr. Die Tierärztin beurteilt das bei der jährlichen Untersuchung.
Kann ich Zahnstein selbst entfernen?
Nein. Mit Werkzeugen kannst du das Zahnfleisch verletzen und den Zahnschmelz beschädigen, und die Ursachen unter dem Zahnfleisch bleiben bestehen.