Wurmkur und Flohschutz: Parasiten bei Katzen vorbeugen und behandeln
Spulwürmer, Bandwürmer, Flöhe und Zecken: wie oft Wohnungskatzen und Freigänger behandelt werden sollten und warum Hundemittel für Katzen lebensgefährlich sein können.
Parasiten sind kein Zeichen mangelnder Pflege. Selbst die gepflegteste Katze kann Würmer oder Flöhe bekommen, ein Freigänger sowieso, aber auch eine Wohnungskatze, wenn Flohlarven an Schuhen hereingetragen werden. Die meisten Parasiten lassen sich gut behandeln. Manche können aber auch auf Menschen übergehen, und bei jungen, alten oder kranken Katzen können sie ernsthafte Probleme verursachen.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Parasiten bei Katzen in Deutschland häufig sind, wie du sie erkennst und wie oft vorgebeugt werden sollte. Als Orientierung dienen die Empfehlungen der europäischen Fachorganisation ESCCAP, die Leitlinien zur Parasitenbekämpfung bei Hunden und Katzen herausgibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Wie oft entwurmt oder der Kot untersucht wird, hängt vom Infektionsrisiko ab: Freigänger, die Mäuse jagen, brauchen häufigere Behandlungen als Wohnungskatzen.
- Von Flöhen sitzt nur ein kleiner Teil auf der Katze; der Rest lebt als Eier, Larven und Puppen in der Wohnung.
- Mittel für Hunde, vor allem solche mit Permethrin, können für Katzen tödlich sein.
- Behandle immer alle Tiere im Haushalt gleichzeitig.
Würmer
Spulwürmer
Spulwürmer sind die häufigsten Darmwürmer bei Katzen. Kätzchen können sich bereits über die Muttermilch anstecken, ältere Katzen über Wurmeier aus der Umgebung oder über Mäuse, die Larven in sich tragen. Bei erwachsenen Katzen bleibt ein Befall oft unbemerkt. Kitten können dagegen einen aufgeblähten Bauch, struppiges Fell, Durchfall und Wachstumsstörungen zeigen. Spulwürmer können auch Menschen, vor allem Kinder, befallen, wenn diese Wurmeier aufnehmen.
Bandwürmer
Katzen können sich mit verschiedenen Bandwürmern anstecken. Der Gurkenkernbandwurm wird über Flöhe übertragen, die die Katze beim Putzen verschluckt. Typisch sind kleine, reiskornähnliche Glieder, die am After oder auf dem Schlafplatz zu sehen sind. Andere Bandwürmer nimmt die Katze über Mäuse auf. Dazu gehört der Fuchsbandwurm, der für Katzen meist harmlos ist, beim Menschen aber eine schwere Lebererkrankung verursachen kann. Deshalb ist eine regelmäßige Bandwurmbehandlung bei Katzen, die Mäuse fressen, besonders wichtig.
Weitere Würmer
Hakenwürmer und Lungenwürmer kommen bei Freigängern ebenfalls vor. Lungenwürmer können Husten verursachen und werden über Schnecken oder Beutetiere übertragen, die die Larven in sich tragen.
Wie oft entwurmen?
Die Empfehlungen richten sich nach dem Risiko. Eine grobe Orientierung:
| Katze | Empfehlung |
|---|---|
| Kitten | ab etwa der dritten Lebenswoche alle zwei Wochen bis zwei Wochen nach dem Absetzen, danach monatlich bis zum Alter von etwa sechs Monaten |
| reine Wohnungskatze ohne Kontakt zu Beutetieren | ein- bis zweimal im Jahr behandeln oder den Kot untersuchen lassen |
| Freigänger | mindestens viermal im Jahr behandeln oder Kotuntersuchungen |
| Freigänger, der regelmäßig Mäuse fängt und frisst | häufiger, gegen Bandwürmer bis zu monatlich, nach Absprache mit der Praxis |
| Katze in einem Haushalt mit Kleinkindern oder immungeschwächten Menschen | eher häufiger behandeln oder untersuchen |
Statt blind zu entwurmen, kann auch der Kot regelmäßig untersucht werden. Dafür werden Proben von mehreren Tagen gesammelt, weil Wurmeier nicht in jedem Kothaufen enthalten sind. Ist die Probe negativ, ist keine Behandlung nötig. Allerdings erkennt eine Kotuntersuchung nicht jeden Befall sicher.
Wurmkuren gibt es als Tablette, Paste oder Spot-on, das auf die Haut im Nacken geträufelt wird. Spot-ons sind bei Katzen, die keine Tabletten nehmen, eine gute Alternative. Lass dich beraten, welches Mittel gegen welche Würmer wirkt, denn nicht jedes Präparat erfasst Bandwürmer.
Flöhe
So erkennst du einen Flohbefall
Flöhe sind wenige Millimeter groß, braun und sehr flink. Oft sieht man nicht die Flöhe selbst, sondern ihren Kot: kleine schwarze Krümel im Fell, besonders am Rücken vor dem Schwanzansatz. Mit dem Flohkot-Test kannst du ihn sicher erkennen: Kämme die Katze über einem weißen, angefeuchteten Papiertuch. Wenn sich die schwarzen Krümel rotbraun verfärben, handelt es sich um Flohkot, denn er besteht aus verdautem Blut.
Weitere Zeichen sind häufiges Kratzen und Putzen, kleine Krusten auf der Haut, Haarausfall und bei manchen Katzen eine allergische Reaktion auf Flohspeichel mit starkem Juckreiz. Bei Kätzchen kann ein starker Flohbefall zu Blutarmut führen.
Warum die Wohnung mitbehandelt werden muss
Von einer Flohpopulation sitzen nur wenige Prozent als erwachsene Flöhe auf der Katze. Die große Mehrheit lebt als Eier, Larven und Puppen in der Umgebung: in Teppichen, Polstermöbeln, Ritzen im Fußboden und am Schlafplatz. Eier fallen von der Katze ab, Larven verkriechen sich im Dunkeln und verpuppen sich. Die Puppen können wochenlang ruhen und schlüpfen, wenn sie Wärme und Erschütterung spüren.
Deshalb reicht es nicht, nur die Katze zu behandeln. So gehst du vor:
- Alle Tiere im Haushalt behandeln, Katzen und Hunde, jeweils mit einem für die Tierart zugelassenen Mittel.
- Gründlich staubsaugen, täglich über mehrere Wochen, besonders Teppiche, Polster, Ritzen und Schlafplätze. Den Staubsaugerbeutel danach entsorgen.
- Decken und Kissen heiß waschen, bei mindestens sechzig Grad.
- Die Behandlung fortsetzen, auch wenn keine Flöhe mehr zu sehen sind. Da Puppen über Wochen nachschlüpfen können, dauert die Bekämpfung oft zwei bis drei Monate.
Bei starkem Befall kann ein Umgebungsspray mit Wirkstoffen gegen Larven helfen. Achte darauf, dass es für Haushalte mit Katzen geeignet ist, und halte dich genau an die Gebrauchsanweisung.
Zecken
Freigänger bringen in der warmen Jahreszeit oft Zecken mit nach Hause. Zecken sollten möglichst bald entfernt werden. Dazu eignet sich eine Zeckenzange oder eine Zeckenkarte, mit der man die Zecke nah an der Haut greift und langsam herauszieht. Öl, Klebstoff oder Alkohol solltest du nicht verwenden.
Katzen erkranken seltener an den von Zecken übertragenen Krankheiten als Hunde. Trotzdem kann bei Freigängern ein Zeckenschutz sinnvoll sein. Es gibt Spot-ons, Tabletten und Halsbänder für Katzen. Bei Halsbändern solltest du Modelle mit Sicherheitsverschluss wählen, die sich öffnen, wenn die Katze irgendwo hängen bleibt.
Achtung: Hundemittel können Katzen töten
Viele Floh- und Zeckenmittel für Hunde enthalten Permethrin oder verwandte Wirkstoffe. Für Hunde sind sie gut verträglich, für Katzen hochgiftig. Schon eine Dosis für einen kleinen Hund, auf eine Katze geträufelt, kann Zittern, Krämpfe und Tod verursachen. Auch der enge Kontakt zu einem frisch behandelten Hund kann für Katzen gefährlich sein.
Deshalb gilt:
- Verwende bei Katzen ausschließlich Mittel, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind.
- Teile niemals eine Hundepipette auf, um sie bei der Katze anzuwenden.
- Wenn ein Hund im Haushalt mit einem permethrinhaltigen Mittel behandelt wird, sprich mit der Tierärztin, wie lange Hund und Katze Abstand halten sollten, oder wähle für den Hund ein anderes Mittel.
Wenn deine Katze nach einer Behandlung zittert, sabbert, taumelt oder krampft, ist das ein Notfall. Fahr sofort in die Tierklinik und nimm die Verpackung mit.
Ohrmilben und andere Plagegeister
Ohrmilben verursachen starken Juckreiz und dunkle, krümelige Beläge im Ohr. Sie sind vor allem bei Kätzchen und in Mehrkatzenhaushalten häufig und sehr ansteckend. Auch Hautpilze und Haarlinge kommen vor. Wenn deine Katze sich häufig kratzt, den Kopf schüttelt oder kahle Stellen hat, lass sie untersuchen.
Häufige Fragen
Muss eine Wohnungskatze überhaupt entwurmt werden?
Das Risiko ist geringer, aber nicht null. Wurmeier und Flohlarven können an Schuhen und Kleidung in die Wohnung gelangen, und auch das Füttern von rohem Fleisch kann ein Risiko sein. Eine Behandlung oder Kotuntersuchung ein- bis zweimal im Jahr wird häufig empfohlen.
Kann ich Wurmkuren rezeptfrei kaufen?
Einige Mittel sind frei erhältlich, andere verschreibungspflichtig. Lass dich trotzdem von deiner Praxis beraten, damit das Mittel gegen die relevanten Parasiten wirkt und richtig dosiert wird.
Helfen Hausmittel wie Knoblauch oder Kokosöl gegen Parasiten?
Nein. Knoblauch ist für Katzen sogar giftig. Es gibt keine belastbaren Belege für die Wirksamkeit solcher Hausmittel.